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transmediale.09 DEEP NORTH

Blickt man über die Szenarien der Erderwärmung, steigender Meeresspiegel und Verwüstung hinaus, dann lautet die entscheidende Frage nicht in erster Linie, wie dies zu verhindern sei. Vielmehr ist es notwendig, die strukturelle Veränderung im Verhältnis von Natur, Kultur und Technologie zu betrachten. Mit dem Festivalthema DEEP NORTH schaute die transmediale.09 im Jahr 20 nach der Wende auf den notwendigen globalen Kulturwandel, der aus dem Schmelzen der Polkappen erwachsen wird.

Gewinner des ersten Preises (dotiert mit 5.000 Euro) sind Graham Harwood, Richard Wright und Matsuko Yokokoji aus Großbritannien. Ihre Installation Tantalum Memorial ist ein Denkmal für die drei Millionen Toten aus den Kongo-Kriegen des letzten Jahrzehnts um den Rohstoff Coltan, der für den Bau von Mobiltelefonen benutzt wird und wertvoller ist als Gold.

Die beiden zweiten Preise (jeweils 1.500 Euro) gehen an den in Berlin lebenden US-Amerikaner Reynold Reynolds für Six Apartments, eine Split-Screen Videoarbeit über isoliert lebende Menschen in Hoffnungslosigkeit und Verfall, sowie an den Portugiesen Rudolfo Quintas für Burning The Sound, eine interaktive Performance über die Natur von Ritualen, Macht und Kontrolle.

Videos:
> Tantalum Memorial @Award Ceremony
> Tantalum Memorial tagr.tv interview
> Six Apartments @Award Ceremony
> Burning the Sound @Award Ceremony

Um der wachsenden Bedeutung der theoretischen als auch der kritisch-praktischen Arbeiten, die für den transmediale Award jährlich eingereicht werden, gerecht werden zu können, hat das Festival 2008 den Vilém Flusser Theory Award eingeführt.

Die internationale Jury, bestehend aus Annick Bureaud (Paris), Bronac Ferran (London), Juha Huuskonen (Helsinki), Pooja Sood (Neu Delhi) und Christoph Tannert (Berlin), hat acht Werke für den transmediale Award 2009 nominiert:

installation

In einer poetischen Erzählung von Resignation und Verfall portraitiert Reynolds in seiner Videoinstallation sechs Menschen in ihren Wohnungen. Isoliert voneinander, doch durch die Massenmedien Radio und Fernsehen miteinander verbunden, werden ihre undramatischen Lebensläufe – essen, schlafen, fernsehen – zwar von Nachrichten über die Probleme der Welt und bevorstehende Umweltkatastrophen überlagert, jedoch nicht weiter tangiert.

performance

Burning the Sound ist eine interaktive Klangkunst-Performance über die Natur von Ritualen, Macht und Kontrolle. Mit der Flamme eines handelsüblichen Feuerzeugs verändert Quintas rhythmische Klangfolgen und verwendet die entstehenden technologisch vermittelten Computerklänge als würde er den Ton dabei durch eine Art spirituelle Strategie exorzieren.

Nittas Projekt bringt gegenwärtige grüne Tendenzen auf die Spitze: Die Extreme Green Guerillas bilden ein Netzwerk aus Menschen, die sich selbst versorgen und ihren Lebensstil zugunsten der Umwelt einschränken und beispielsweise die Nutzung von Internet oder Mobiltelefonen verweigern, um damit keine Großkonzerne zu unterstützen.

performance

Overbug ist ein Musikperformance-Tool, mit dem sich Minimal-, Dance- und Popmusik komponieren lassen. Durch die Wiederholung und Neuanordnung von Klangbildern, genannt 'Bugsounds', entstehen komplexe, polyrhythmische Klänge.

Die Telefon-Installation ist ein Mahnmal für die drei Millionen Toten aus den 'Koltankriegen', die seit 1998 um den Abbau von Koltan im Kongo geführt werden. Dieses Erz ist der Rohstoff aus dem das Metall Tantal gewonnen wird, das als wesentlicher Bestandteil der Mikroelektronik zur Herstellung von Mobiltelefonen und Computern benötigt wird.

Die interaktive Multimedia-Installation besteht aus einer Zwei-Kanal-Projektion, die Infrarotaufnahmen der Nordsee als postapokalyptische Landschaft zeigt, die für den Besucher aber ausschließlich durch Nachtsichtgeräte sichtbar sind.

The Laboratory Planet ist ein regelmäßig erscheinendes philosophisch-wissenschaftliches und technikkritisches Journal über geostrategische, taktile, mediale und spekulative Fragen.